Ich bin sexuell traumatisiert und möchte wieder Sex haben. Mein Partner sperrt sich. Was kann ich tun?

Eine Klientin von mir machte mich neulich darauf aufmerksam, dass es im Netz viele Tipps für Betroffene gibt, die einen mitfühlenden Partner haben. Sie bat mich, ein paar Worte für diejenigen zu schreiben, bei denen das nicht so ist. Dies ist nun also ein Artikel für dich und alle anderen Frauen, die nach erlebter sexualisierter Gewalt wieder schönen Sex haben wollen – und deren Partner nicht so richtig mitmacht.

Denn auch für die Partner von Betroffenen ist es schwierig, sich dem Sex wieder anzunähern. Wir sollten daher nicht davon ausgehen, dass sie sich immer hilfreich verhalten. Manchmal sind sie auch überfordert oder fühlen sich mit der Position, dem anderen zu helfen, unwohl.

Warum überhaupt wieder Sex?

Dieser Artikel ist für Menschen, die sexuelle Gewalt erfahren haben und danach wieder zurück finden wollen. Zum Sex, den sie genießen. Vielleicht ist der Missbrauch letztens passiert, vielleicht ist er aber auch viele Jahre her. Wie dem auch sei. Du bist an dem Punkt, du willst dich dem Sex wieder annähern. Das erste, was du nun tun kannst, ist, zu prüfen, ob wirklich DU es bist, die will. Oder wirst du unter Druck gesetzt? Willst du oder sollst du wieder wollen?

  • Prüfe, ob du dir vorstellen kannst, dass es gut für dich ist, wieder Sex zu erleben. Lohnt sich das für dich? Was könnte für dich Gutes dabei rauskommen?
  • Wenn du nun merkst, dass du es für andere tust, dann lies diesen Artikel: Partner drängt zu Sex (kommt bald!)
  • Wenn du selbst ein Interesse hast, wieder sexuell zu erleben, dann bist du hier richtig. Und, ich erinnere nochmal: Dieser Artikel ist für Menschen, deren Partner sich auf irgendeine Weise nicht hilfreich verhält.

Du weißt, dass du es für dich tust. Du möchtest dir deinen Sex zurück erobern. Herzlichen Glückwunsch! An diesem Punkt hast du schon sehr – sehr viel geschafft.

 

 

Und nun musst du feststellen, dass deine inneren Hindernisse nicht die einzigen sind, die es zu überwinden gilt. Denn da ist dein Partner, und er ist not amused.

Vielleicht geht es dir so, wie vielen Frauen, die in meine Praxis kommen: Du brauchst jetzt viel Zeit und einen einfühlsamen Partner an deiner Seite. Du willst erstmal nur kuscheln und etwas küssen und du willst die Kontrolle über die sexuelle Begegnung behalten. Aber dein Partner will etwas ganz anderes! Er will, dass du dich fallen lässt. Dass es so ist, wie früher. Dass er das Tempo bestimmen kann. Dass der Sex nicht abgebrochen wird. Er besteht auf Penetrations-Sex.

„Entspann dich doch mal!“ ist ein häufiger Satz, den Frauen dann zu hören kriegen.

Das ist eine schwierige Situation – für beide:

Für den Partner:

Meistens sind Partner von Missbrauchsüberlebenden selbst auch überfordert. Den Sex völlig neu zu denken, sich selbst erstmal zurückzunehmen und im Kopf zu behalten, was der Partnerin widerfahren ist, ohne die Lust zu verlieren – das ist wirklich hartes Brot. Aber nicht das, was du kauen musst.

So, und nun zu dir, liebe Überlebenskämpferin:

Der Sex ist besetzt durch das Erleben des Missbrauchs. Es ist dir an diesem Punkt wahrscheinlich klar, dass du Zeit und Geduld brauchen wirst, um diese Bilder durch neue zu ersetzen. Du brauchst viel Sanftheit und die Möglichkeit, zu weinen. Nur dann klappt das, mit dem Entspannen.

 

 

 

Brauche ich meinen Partner für den ersten Schritt?

Nein, zum Glück brauchst du das nicht. Du kannst die ersten Schritte auch im Solo-Sex machen. Du kannst dir erotische, genussvolle Momente schaffen, in der das da ist, was du brauchst. Vielleicht ist das erstmal auch nicht direkte Stimulation im Intimbereich, sondern eher sowas wie eine heiße Badewanne mit Schaum. Erlebe sinnliche Situationen und erlaube deinem Körper, zu entspannen. Mache dich darauf gefasst, dass du weinen wirst und das vielleicht auch Erinnerungen hochkommen. Sorge vorher dafür, dass du das auffangen kannst (Therapeutin, Freundin, Tagebuch…?).

Kann ich den Sex auch verändern, ohne mit ihm zu reden?

Wenn du die ersten Schritte im Solo-Sex gegangen bist, kannst du dich ohne ein Gespräch deinem Partner nähern. Wichtig ist hierbei aber weiterhin, dass du ihm klarmachst, was du brauchst.

  • Bestimmt brauchst du immer noch eine langsamere Art der sexuellen Berührung
  • Vielleicht willst du weiterhin keinen Penetrations- Sex haben
  • Es kann sein, dass du jederzeit selbst bestimmen willst, in welcher Stellung du dich befindest

All das ist verständlich und du solltest darauf beharren. Aber du brauchst nun nicht mehr seine Hilfe dafür – du hast gelernt, dir das selbst zu machen. Jetzt kannst du also den Sex selbst so gestalten wie du ihn brauchst. Und dein Partner braucht nicht mehr einfühlsam sein und das alles was ihm so schwer fällt – er muss einfach nur noch mitmachen. Viele Männer machen das gerne und freuen sich darüber.

Was kann ich machen, wenn mein Partner jetzt immer noch nicht mitmacht?

Zuletzt ist wohl wichtig, dass du eine neue Haltung findest: Du wirst keinen Sex mehr mitmachen, den du nicht willst.

Und du übernimmst selbst die Verantwortung dafür, den Sex so zu gestalten, dass er dir gefällt und guttut.

Diese Haltung kann unglaublich befreiend sein, auch im Hinblick auf den erlebten Missbrauch. Sie kann dir helfen, dich daraus zu befreien. Und sie hilft dir, guten Sex zu haben.

Aber sie ist natürlich keine Garantie für Sex mit deinem Partner. Hier ist es so, wie in vielen anderen Lebenslagen auch: Wenn wir nicht mehr alles mitmachen, machen nicht mehr Alle mit. Im Extremfall führt das zur Trennung. Meist geht es aber nur darum, so lange auf deiner Position zu beharren und sie ruhig zu wiederholen, bis dein Partner es verstanden hat. Es kann sein, dass du Hilfe dabei brauchst: Freundinnen oder Therapeuten machen das meist gern.

 

 

 

 

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